Aus dem Leben eines Schwimmers.

Morocco Swim Trek: 30 km in vier Tagen

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Einzigartige Landschaft, ein Hauch von Abenteuer … und vor allem: schwimmen, schwimmen, schwimmen! Wo bekommt man das? Ich habe es gerade beim "Morocco Swim Trek" bekommen, ein Trip in die Westsahara, bei dem man zum Teil in Zelten übernachtet, und bei dem man an vier "Rennen" innerhalb von vier Tagen über 30 Kilometer schwimmt. Wirklich ein Ausnahmeerlebnis, vor allem dann, wenn man normalerweise nur so um die 10 Kilometer pro Woche trainiert. Aber der Reihe nach:

Gehört hatte ich vom Morocco Swim Trek schon im letzten Jahr, da fand es zum dritten Mal statt, aber alle Plätze waren schon belegt. Also für 2018 auf die To-Do-Liste geschrieben. Die Veranstalter sind Franzosen, die Webseite ist deshalb auch überwiegend auf Französisch, zum Glück gibt es aber auch eine englische Fassung, auf der nicht alles, aber vieles zu finden ist. Ich habe ein halbes Jahr vor Beginn des Ganzen meine Teilnahme gesichert. Und dann wirklich gewissenhaft trainiert, möglichst drei Mal die Woche, möglichst immer pünktlich da sein, vernünftig aufwärmen, alles, was der Trainingsplan hergibt, abarbeiten. Immer näher rückte der Termin. Und immer mehr Mails kamen aus Frankreich: was man alles mitnehmen sollte, was man noch nachreichen müsste: ärztliche Bescheinigung über Gesundheit, die Angabe der Blutgruppe, Ankunfts- und Ablugszeiten. In Dakhla, wo das Ganze statfand, ist es nämlich ein bisschen komplizierter. Das Gebiet ist völkerrechtlich umstritten, bis 1975 hatten die Spanier dort das Sagen, dann übernahmen kurz die Mauretanier, dann die Marokkaner, die Dakhla bis heute für sich beanspruchen und ordentlich dort bauen, um ihre Präsenz zu erhöhen. Ziemlich viel Miliätr und Polizei auf den Straßen lässt darauf schließen, dass das nicht allen recht ist.

Dann also die Hinreise über Paris. In Dakhla angekommen dann tatsächlich so etwas wie Wüstenfeeling mit viel Sand, wenig Pflanzen, viel Sonne. Untergebracht wurden wir in einer Bungalowanlage direkt an einer Art Lagune, das war der Atlantik, der da tief in den Sand hineinreichte. Ich hatte mich für Unterbringung in einem großen Zelt entschieden, in dem rund 50 Menschen vor allem aus Frankreich, Spanien, Italien (aber auch Dänemark, Tadschikistan, Schweiz, UK, USA) übernachten sollten. Ach ja: wir haben in den insgesamt fünf Nächten an drei verschiedenen Orten übernachtet, weil die Schwimmrennen immer an anderer Stelle endeten, wo man dann für die Nacht blieb.
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Damit das hier nicht allzu lang wird: das erste Rennen sollte 6,5 Kilometer lang sein, hatte dann aber wohl eher 7,5 km, dabei hatten wir mit Wellen, Strömung und Wind zu kämpfen. Kein Unwetter, aber auch nicht ganz einfach, dieser Schwimm. Am nächsten Tag 8,5 km,, am dritten Tag 10 km, am letzten noch einmal 5,5 km. Ja, anstrengend. Und im Lauf der Tage natürlich immer anstrengender, weil ja nicht ausgeruht und frisch im Wasser, sondern schon mit etlichen Kilometern aus den Vortagen in den Schulter, Armen und Beinen. Die meisten der etwa 120 Schwimmer übrigens mit Neopren unterwegs, ein Fünftel ohne - so wie ich. Für mich eigentlich kein Problem, außer bei den 10 km, da wurde es am Ende, als die Energie deutlich nachließ, langsamer und damit auch kälter. Wassertemperatur etwa 20 Grad, würde ich schätzen, die Schwimmen dauerten zwischen 2:20 und 3:20 Stunden. Mit der Wertung ist es etwas schwierig: anders als sonst gibt es keine Altersklassen, nur die Unterscheidung "mit Neopren" oder "ohne Neopren" und "Frauen" und "Männer". Klar aber war: hier schwammen richtig, richtig gute SchwimmerInnen (die zum Teil zu ihren Nationalkadern gehören) gemeinsam mit Menschen aus dem "Freizeitschwimmer"-Bereich.

Ach ja, nicht jeder, der ohne Neopren gestartet war, hielt das die Tage über durch, was den Veranstaltern aber zum Teil entging. Egal, fürs Podium reichte es bei mir ohnehin nicht. Aber immerhin 12. bei den "Nackten". Und vor allem: durchgehalten! Alle vier Rennen geschwommen! Immer gut angekommen, keine Schulterprobleme, keine Extremsituationen. Aber solche Entfernungen, gerade wenn man sie nicht gewohnt ist, wollen doch erst einmal überwunden werden. Wenn die Wellen größer werden, man selbst wie ein Korken hin und her gespült wird, dann werden einem die Kräfte der Natur besonders deutlich. Aber entlang der ganzen Strecke waren Boote und Bojen, Kajaks und Jetskis, die auf einen aufpassten. Außerdem musste jeder von uns mit einer Resttube schwimmen. Ich habe übrigens nicht einen einzigen Fisch gesehen. Nichts. Nur ein paar Flamingos am Ufer. Und Möwen. Und tausende von Krebsen, die nachts aus ihren Gängen und Höhlen herausgekrabbelt kommen, um den feuchten Sand auf der Suche nach Nahrung zu durchwühlen. Überhaupt: die Nächte! Weil dort kaum Licht von der Erde aus in den Nachthimmel gelangt, kann man dort Millionen von Sterne sehen! Die Milchstraße! die Sternbilder! Das war auch einmalig!
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Fazit: tolles Erlebnis in einer für uns Städter leicht seltsam wirkenden Gegend. Nicht hunderprozentig uhrwerksmäßig organisiert (man muss fairerweise sagen: das wäre auch sehr schwer gewesen), wir mussten manchmal ein oder zwei Stunden bis zum Start warten, weil die Bojen für den Kurs noch nicht verlegt worden waren, weil die Boote, die das übernehmen sollten, einfach nicht kamen. Und auch sonst war öfter mal unklar, wann nun was passiert, wann Renn-Briefing erfolgt, wann die Ergebnislisten veröffentlicht werden, wann das Essen kommt. Schwierig für ungeduldige Menschen, schwierig auch für Menschen, denen eine eigene Dusche und eine eigene Toilette das wichtigste im Leben sind, gar nicht weiter tragisch für relaxte Charaktere, denen klar ist, dass man da am Rande der Zivilisation lebst. Aber man darf auch wirklich nicht vergessen: insgesamt rund 150 (da waren noch Begleitpersonen da) eher verwöhnte Großstadtmenschen, die drei Mal am Tag essen wollen, die genug Wasser brauchen, die während des Schwimmens verpflegt werden müssen, die mit tausend Fragen auf die Veranstalter einstürmen. Drei Mal das Camp wechseln, immer wieder müssen Taschen von A nach B nach C und wieder zurückgebracht werden, der Transport der Schwimmer zum Start und vom Ziel zum Zeltlager musste organisiert werden. Das Schöne dabei: alle blieben ruhig, alle hatten Verständnis, alle haben verstanden, das evenutelle Schwierigkeiten zum Abenteuer "schwimmen in der Wüste" dazugehören.

So weit ich das mitbekommen habe, ist nichts verloren gegangen, nichts gestohlen worden, nichts kaputt gegangen. Und es gab auch noch eine richtige Siegerehrung (die leicht seltsam wirkte, schienen doch die anwesenden Politiker und Funktionäre, die die Medaillen und Pokale überreichten, wichtiger als die Athleten) mit anschließender Party. Auch deshalb hatten die Veranstalter einen im Vorhinein darauf hingewiesen, dass Ohrstöpsel und Taschenlampe eine gute Idee wären. Morocco Swim Trek 2018 - eine einmalige Sache? Nach den 10 km hatte ich noch gedacht, dass ich das nicht noch einmal machen will. Schon zwei Stunden später aber war mir klar: wenn irgendwie möglich, dannn will ich auch 2019 wieder dabei sein. Will wer mit?

Von Europa nach Asien, Troja im Blick!

Ich bin ja eigentlich schon zertifizierter Cross-Continental-Schwimmer, weil ich 2016 beim Bosporusschwimmen teilgenommen habe. Es gibt aber einen Schwimmwettkampf, der von der geschichtlichen Bedeutung her noch wichtiger ist: den "Turkish Hellespont Swim". Dort schwimmt man vom europäischen Teil der Türkei rüber zum asiatischen, vom Ort Eceabat nach Canakkale. Canakkale liegt nicht so weit weg von den historischen Ausgrabungsstätten, an denen sich Troja befinden soll (in Canakkale steht übrigens auch das Original-Pferd, das im Kinofilm "Troja" zum Einsatz kam). Einmal im Jahr, am türkischen Nationalfeiertag, wird für ein paar Stunden der Schiffsverkehr an dieser Meerenge gesperrt, 700 Schwimmer werden auf ein Boot gepackt, fahren nach Eceabat und schwimmen dann von dort nach Canakkale. Einer dieser Schwimmer war ich.

Schon am Vortag hatten uns die Veranstalter (der Rotary Club von Canakkale) erklärt, wie man am besten zu schwimmen hat, denn in dieser Meerenge gibt es eine ziemlich starke Strömung! Man schwimmt deshalb nicht in direkter, gerader Linie, sondern in einer Art Ellipse: In Eceabat geht man an einem kleinen Strand ins Wasser, schwimmt dann erst einmal etwa einen Kilometer Richtung gegenüberliegendes Ufer, wird dann aber von der Strömumg halbkreisförmig abgetrieben, peilt dann einen Punkt (genauer gesagt: die Flutlichtürme eines Fußballstadions) links vom Ziel an und lässt sich dann mit der Strömung in Richtung Ziel treiben. Je stärker man als Schwimmer ist, desto gerader kann man die Strecke schwimmen, je langsamer man schwimmt, desto größer muss die Kurve ausfallen. Nicht jeder hat das gut hinbekommen, etliche der Schwimmer wurden vom Wasser am Ziel vorbeigetragen! Mir gelang es ganz gut, die angeblich 6,5 Kilometer (es waren wohl eher 4,5, aber auf der Urkunde stehen 6,5) habe ich in nicht einmal 50 Minuten gemeistert, in der Gesamtwertung landete ich auf Platz 26, in meiner Altersklasse auf Platz 2 (ja, das da links auf dem Foto bin ich, gerade gab es die Medaillie und den Handschlag).

Warum ist das eigentlich so ein bedeutsames Schwimmen? Lord Byron, der berühmte britische Dichter, war so fasziniert von der griechischen Sage von Hero und Leander (Leander schwamm diese Strecke jede Nacht zu seiner Geliebten Hero, die ihm den Weg mit einer Fackel wies, diese Fackel wurde irgendwann vom Sturm ausgeblasen, Leander fand den Weg nicht mehr und ertrank), dass er selbst dort schwimmen wollte und das 1810 auch tat. Damit begründete er sozusagen das Open Water Swimming. Es ist aber auch so bedeutsam, weil die Gegend eine große Bedeutung für die Türkei hat, hier wurden viele Schlachten geschlagen, was man auch an vielen Denkmälern sehen kann. Für uns Schwimmer ist das ein bedeutsames Rennen, weil es technisch sehr anspruchsvoll ist - wie gesagt, die Strömung!

Flucht von Alcatraz!

Es gibt wirklich ganz wunderbare Schwimm-Aktionen, die man sich ausdenken oder an denen man teilnehmen kann. Auf den Malediven etwa in lauwarmem Wasser mit der Strömung eine Insel umrunden. Im kristallklaren Wasser Siziliens an der Küste schwimmen. Kilometerlang vor Mallorca entlangtreiben. Sie alle haben gemeinsam: gute Sicht, schöne Temperaturen. Und dann gibt es die anderen Herausforderungen, die nicht ganz so angenehm erscheinen, aber am Ende, wenn man sie gemeistert hat, ein Gefühl der Befriedigung hervorrufen. Eine solche Herausforderung habe ich im Juli gemeistert. Ich nenne sie die "Flucht von Alcatraz". Alcatraz ist eine ehemalige Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco, der berüchtigte Gangster Al Capone war dort einst inhaftiert. 1963 wurde das Gefängnis geschlossen, Alcatraz ist mittlerweile Naturschutzgebiet. Aber als da noch Menschen gefangen gehalten wurden, galt Alcatraz als ausbruchssicher: Selbst wer seiner Zelle entkommen konnte, musste ja danach schwimmen, kilometerweit, in wirklich kaltem Wasser. Und dann, so hieß es immer, waren da ja auch noch die Haie!

Ob wirklich niemals ein Gefangener von Alcatraz fliehen konnte? Es gibt einen Ausbruchsversuch von 1962, bei dem nicht ganz klar ist, wie er nun eigentlich endete: Frank Morris und die Brüder Anglin konnten aus ihren Zellen in einen Luftschacht entkommen und von dort aus zu einem aus Regenmänteln gebauten Schlauchboot gelangen. Teile des Boots wurden später von Fischern gefunden, dann verliert sich die Spur der drei. Ob sie ertrunken sind oder tatsächlich die einzigen Häfltinge waren, denen die Flucht gelang, ist nach wie vor unklar, auch wenn es einige Indizien dafür gibt, dass sie wirklich entkommen sein könnten. Wer mehr wissen will: es gibt ja die Verfilmung mit Clint Eastwood. Alcatraz also. Ein Mythos, den man sich tatsächlich selber erschwimmen kann. Es gibt einige offizielle Rennen (zum Beispiel das Alcatraz Sharkfest) bzw. monatliche Schwimmen von Alcatraz zum Hafen von San Francisco. Man kann sich das aber auch individuell organisieren lassen, was wir (zwei Freunde und ich) aus Termingründen auch gemacht haben. Aber der Reihe nach!

Es gibt vor einige Herausforderungen, wenn man von Alcatraz Richtung Hafengegend von San Francisco schwimmt: die Entfernung, die Wassertemperatur, die starke Strömung. Und die Haie! Vor San Fransisco liegt nämlich ein Meergebiet, das in Surferkreisen "Red Triangle" genannt wird. Nirgendwo auf der Welt soll die Dichte an Weißen Haien so groß sein wie hier! Aber: In der San Francisco Bay, der Buch vor San Francisco, in der auch Alcatraz liegt, hat angeblich noch nie ein Hai einen Menschen angegriffen. Es gibt allerdings ein Video aus dem Jahr 2015, von Touristen aufgenommen, auf dem ein Weißer Hai zu sehen ist, der auf spektakuläre Weise eine Robbe oder einen Seelöwen erlegt und zwar genau an der Stelle, wo man vor Alcatraz aus einem kleinen Boot ins Wasser geht, um Richtung Hafen zu schwimmen.Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Und zum zweiten Mal: 100x100 in Hamburg

Ich weiß nicht: "Are you tough enough?" überzeugt mich immer noch nicht so richtig, aber unter diesem Motto steht es nun mal, das 100x100-Event, das am 3. März erneut in Hamburg über die Bühne ging. 100x100, so hatte ich es schon nach dem letzten Mal geschrieben, sind 10 Kilometer. Dementsprechend kaputt ist man dann auch nach knapp vier Stunden. Immer noch schön organisiert, dieses Schwimmen in der Alsterschwimmhalle: zehn Bahnen mit jeweils zehn SchwimmerInnen, die dann 100 mal die 100 Meter schwimmen. Letztes Jahr hatte ich noch die längere Pause gewählt, also die Abgangszeit von 2:15 Minuten. Dieses Mal dann alle zwei Minuten Abgang. Geht nicht nur, macht auch Spaß! Schön locker die jeweiligen 100 Meter schwimmen, am Anfang noch so etwa in 1:30 (und dementsprechend dann mit einer halben Minute Pause), später eher 1:40 (und nur noch zwanzig Sekunden Pause). Und ebenfalls anders als im letzten Jahr: Ich schwamm nicht ganz vorne, sondern hinten in meiner Gruppe. Das ist sehr entspannt, man kennt es ja aus dem Training, da macht einem niemand Druck.

Zehn Kilometer sind natürlich trotzdem nicht sooo wenig, vor allem, wenn man im Training eher drei bis vier Kilometer schwimmt. Aber es war nicht so sehr der Körper, der mich gebremst hat, sondern der Geist. Denn es stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, warum man das eigentlich macht. Ich habe es gemacht, weil ich wirklich nach wie vor sehr gerne schwimme und immer wieder Events oder Rennen heraussuche, bei denen ich mich beweisen kann bzw. wo ich für mich selbst feststelle, ob ich fit bin oder nicht. Mit dem Training ist das nämlich so eine Sache: man kann da regelmäßig hingehen und trotzdem nicht so richtig konzentriert schwimmen, man mogelt sich also ein bisschen durch. Wenn aber solche Ereignisse wie 100x100 anstehen, dann ist das zumindest bei mir so, dass ich besser trainiere. Ich will schließlich nicht versagen.

Interessiert an den 100x100? Kommen bestimmt wieder, es gibt sie ja nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen Hallen Deutschlands. Vielleicht sogar noch ein bisschen öfter als sonst, denn das Interesse am Schwimmen, so habe ich das Gefühl, nimmt nach wie vor zu. Meine Empfehlung: so früh wie möglich anmelden, die Plätze sind schnell weg. Und dann ordentlich trainieren. Nicht speziell 100er, sondern einfach nur konzentriert. Und die Pausen nicht so lang werden lassen.

Zwei Dinge noch: Wir hatten einen jungen, durchtrainierten Schwimmer auf der Bahn, der am Anfang sehr schnell vorne mitgewschwommen ist. Zu schnell offenbar, denn er wurde dann ab Kilometer 6 immer langsamer und langsamer, so dass er die Pausen durchschwimmen musste und es nur mit viel Mühe (und ein bisschen goodwill der Veranstalter) schaffte, die zehn Kilometer vollzumachen. Und die zweite Sache: Ursprünglich hatte ich mich ja mal für 100x100 angemeldet, weil ich so eine kleine Trophäe haben wollte. Auch dieses Jahr wurden die nicht vergeben (das war wohl eine einmalige Sache 2016). Was macht man da? Na ja, man lässt sich selber so eine Trophäe herstellen (siehe Foto).

Freiwassser im Januar!

Es gibt in Europa und im Mittelmeerraum meines Wissens nur ein einziges Open-Water-Schwimmen, das im Januar stattfindet. Das ist der Red Sea Swim Cup in Eilat. Ich dachte mir: schau Dir das doch mal an und schwimm die 4,5 Kilometer mit. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt! Eilat selbst ist ein Touristenort ganz im Süden Israels, viele Israelis, Russen und Jordanier machen dort Urlaub (die Grenze zu Jordanien ist nur ein paar hundert Meter weg, die zu Ägypten ein paar Kilometer. Der Red Sea Swim Cup findet traditionell immer einen Tag nach dem "Isramen" statt, einem Triathlonwettkampf. Das Schwimmen am nächsten Tag kann zum Ausschwimmen, zum Austoben oder was auch immer genutzt werden. Ich, als Nicht-Triathlet, habe das für "was auch immer" genutzt.
Angekommen in Eilat bin ich einen Tag vorher, aber so spät, dass ich meine Meldeunterlagen nicht abholen konnte. Musste ich also ziemlich früh am Wettkampftag am Roten Meer sein. Dort hatten sich ca. 200 (also jetzt wirklich so ganz ca.) Schwimmerinnen und Schwimmer versammelt, die in verschiedenen Strecken (1,5 km / 4,5 km / 7 km) mit oder ohne Neopren-Anzug gegeneinander antraten. Ist ja jetzt nicht so spannend, über so ein Rennen zu schreiben und davon zu lesen, deshalb ganz kurz: das ist allles sehr freundlich und ohne großen bürokratischen Aufwand organisiert, ich war, wenn ich das richtig gesehen habe, in diesem Jahr der einzige Schwimmer aus Deutschland, man schwimmt da auf einem Rechteck-Kurs, der 1,5 km lang ist, im Uhrzeigersinn. Bei 4,5 km also drei Mal im Kreis bzw. Rechteck). Leider ist bei mir etwas schiefgegangen, ich tauchte am Ende in keiner Liste auf, bin aber nach meiner eigenen Zeitrechnung 1:26 geschwommen und wurde damit zweiter in meiner Altersklasse. Das Wasser ist super, auch angenehm warm (ohne zu warm zu sein, ich schätze mal so um die 21, 22 Grad). Ein paar Fische gesehen, keine Quallen, für alle Teilnehmer gab es eine Mütze, wie man auf dem Foto sehen kann. Endlich mal keine neue Badekappe! Insgesamt viele gute SchwimmerInnen dabei!
Eilat selbst ist jetzt nicht die schönste Stadt der Welt, hat aber ein paar schöne Ecken, die man entdecken muss. Nach drei Tagen aber hat es mir gereicht und ich bin nach Tel Aviv weitergefahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und immer schön der Costa Brava entlang

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Wahrscheinlich sollte man das gar nicht so ausbreiten, weil sonst noch mehr Touristen kommen. Andererseits: schwimmende Touristen sind die besten Touristen. Und je mehr von ihnen kommen, desto schöner wird es im Wasser. So jedenfalls meine Theorie. Also, um was geht es? An der Costa Brava, diesem zerklüfteten Stück Küste zwischen Barcelona und der französischen Grenze am spanischen Mittelmeer haben vor einiger Zeit die Tourismusverantwortlichen (oder wer auch immer) Schwimmzonen eingerichtet. Hier der Link zu den offiziellen Seiten. Das sind Strecken, die ein bisschen länger sind als nur ein paar Dutzend Meter, abgesperrt mit Bojen, Flächen, in die (theoretisch) kein Boot eindringen darf. Ich bin das erste Mal vor Jahrzehnten mit meinen Eltern an die Costa Brava gefahren, immer in den gleichen, sehr kleinen Ort, in den ich auch jetzt noch mal gefahren bin, um dort zu schwimmen. Aufmerksame Leser merken wahrscheinlich gerade, dass ich den Ortsnamen nicht nenne. Zumindest ein bisschen möchte ich ihn geheimhalten. Für das Schwimmen macht es auch keinen Unterschied: das Wasser ist an all den verschiedenen Schwimmstellen gleich angenehm und ziemlich klar, es gibt ab und zu Quallen, Wellen sind je nach Tagesform kaum bis ganz schön ordentlich vorhanden. Ich fand das jedenfalls toll, das Mittelmeer und die Costa Brava noch mal anders zu entdecken, gerade, wenn man alleine schwimmt (was man natürlich nicht machen soll, was für mich aber manchmal den Reiz erhöht) ist das wie ein kleines Abenteuer: um die Ecke geschwommen, weg sind Strand und Boote und Menschen (und natürlich auch der Lifeguard). Wie man hier auf dem Foto sieht, ist in der Bucht, in der ich war, ohnehin nicht viel los, aber das liegt daran, dass da im Oktober so langsam alles eingemottet wurde und auch die Bojen für die Schwimmstrecke langsam abgebaut wurden. Im Sommer ist das vielleicht alles noch mal ganz anders, vermutlich voller und lebhafter und vielleicht weniger aufregend, dafür eventuell besser für furchtsame Seelen. Anders als geplant bin ich tatsächlich nur zwei Mal so richtig lange geschwommen. Dafür habe ich ein paar Schwimmer mit Neopren beobachtet. Und eine Swimquest-Reisetruppe, falls es interessiert, war auch dort. Gerne wieder.

Delphine sind schuld: zum ersten Mal Erster

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Die Überschrift führt ein bisschen in die Irre, denn ich bin am 2. September 2017 nicht nur zum ersten Mal erster geworden, sondern auch zum zweiten Mal. Ich habe nämlich zwei Urkunden bekommen, einmal als Erster in der Gesamtwertung der Männer, einmal als Bester in meiner Altersgruppe. Und obwohl ich das jetzt schwarz auf gelb in Form der Urkunden vor mir habe, bin ich gar kein richtiger Erster: die Siegerin bei den Frauen hat mir nämlich am Ende keine Chance gelassen. Trotzdem: in meiner Schwimmkarriere (die sich ja mit wirklich langen Unterbrechungen über Jahrzehnte hinzieht) habe ich noch nie den ersten Platz erschwommen. Der so genannte "M-Cup" hat das jetzt also geändert und auch wenn da nicht so viele Teilnehmer die 1,6 km geschwommen sind, fühlt sich das gut an. Und es motiviert. Und lässt mich sogar vom Schwimmen träumen, was ich auch seit Ewigkeiten nicht mehr hatte. Sowieso komisch: wie kann das sein, dass man so viel Zeit mit dem Schwimmen verbringt, Bücher zum Thema liest, Reisen in Sachen Schwimmen plant und dann nicht davon träumt? Ich kann mir das nur so erklären, dass das Schwimmen bei mir eine so entspannende Wirkung hat, dass es mein Unterbewusstsein nicht weiter beschäftigt.

Aber vielleicht ändert sich das jetzt nach dieser Platzierung? Ach ja, wie man schon auf dem Foto sieht: der "M-Cup" ist ein Schwimmwettkampf im Motzener See (deshalb auch "M-Cup"), man geht beim kleinen Brandenburger Ort Kallinchen ins Wasser. Angenehm kühl, angenehm sauber, weil es nicht mehr so heiß war, waren keine anderen Menschen am Startort, dem Seebad Kallinchen. Erst gab es ein kurzes Kinderschwimmen, dann das eigentliche Rennen, organisiert vom Schwimmclub Delphin 1990. Einmal quer rüber, dann kurz links, dann wieder zurück. Und dann Kaffee, Kuchen und eine kleine Siegerehrung. Es gab Duschgel …