Aus dem Leben eines Schwimmers.

Müggelseeschwimmen, die dritte

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Wir schreiben das Jahr 2017, ein Sonntag im August. Das bedeutet: ich schwimme einmal mehr (zum dritten Mal, um genau zu sein) beim Müggelseeschwimmen mit. Es ist das 24. Müggelseeschwimmen und ich fühle mich eigentlich ganz ok. Wie auch die beiden Vorjahre habe ich die Nacht hindurchgearbeitet, bin also erstens leicht drüber, zweitens leicht müde, drittens nicht sonderlich aufgeregt. Über allem liegt ein Schleier, ich fühle mich wie in Watte gebettet (was Schlafentzug ja nun mal manchmal mit einem macht), dazu passt, dass auch an diesem Morgen der Nebel über dem See liegt. Aber der verzieht sich auch gleich wieder. Ich habe ziemlich gut trainiert in den letzten Monaten (bilde ich mir jedenfalls ein, aber dazu später), das Wasser ist angenehm kühl. Wie immer geht es um 11 Uhr los, wir starten in Gruppen von 50 Schwimmern und zwar, wenn ich mich richtig erinnere, im Abstand von 2 Minuten zwischen den Gruppen. Hunderte sind gekommen, ich bin in der zweiten Startgruppe.

Kleiner Exkurs (nicht im Müggelsee, sondern hier in diesem Text): Es ist ja nicht so einfach mit dem so genannten Pacing. Wie schnell oder wie langsam das Rennen angehen? Und soll oder soll man sich nicht an einen leicht schnelleren oder zumindest gleichschnellen Schwimmer dranhängen? Was das Pacing angeht, habe ich auf längeren Strecken einfach nicht genug Erfahrung. Ich beschließe, die ersten Meter nicht so schnell anzugehen, und dann ein bisschen später zuzulegen. Dass mit dem "nicht so schnell anfangen" funktioniert ganz gut, dass mit dem "Zulegen" später nicht so gut. Es ist allerdings auch ein schmaler Grat, wer zu schnell anfängt (was ziemlich oft vorkommt), hat manchmal schon sein Pulver verschossen und versucht sich die restlichen Kilometer über Wasser zu halten, ohne Spaß an der Sache zu haben. Im Zweifelsfall - und wenn es ja nicht um olympisches Gold geht - kann das Ganze ruhig etwas vorsichtiger angegangen werden. Und mit dem Ranhängen? Ich hänge mich nicht irgendwo dran. Aber bei mir ist definitv jemand nur ein paar Zentimeter entfernt und schlägt mir alle paar Züge auf die Füße. Grundsätzlich ist mir das egal, ob jemand im Wasserschatten schwimmt oder nicht, es gibt ja keine Regel, die es verbietet. Aber ständiger Körperkontakt kann natürlich anstrengend sein und auch viel vom Spaß wegnehmen. Nach einer Weile aber lasse ich ihn oder sie hinter mir. Und dann liegt eine knappe Stunde vor mir, allein im Wasser, von Boje zu Boje. 3,5 Kilometer sind nicht die Welt, aber können sich trotzdem ziehen. Bin ich schnell unterwegs oder langsam? Überhole ich oder werde ich überholt? Ich weiß es nicht. Ich schwimme einfach weiter und weiter und bin schließlich im Ziel. Fast zwei Minuten langsamer als im letzten Jahr. Schneller wäre allerdings nicht gegangen, nicht in diesem Jahr. Was bleibt? 2018 vielleicht anders trainieren, vorher richtig schlafen (und nicht arbeiten). Und dann, so jedenfalls ist das Ziel, die dreieinhalb Kilometer in 57 Minuten zu schaffen. Möglich ist das. Wir werden sehen, wie das am 19. August 2018 läuft.