Aus dem Leben eines Schwimmers.

All in: Der große "Ich-schwimme-schneller"-Versuch 2020

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Alle Artikel hier bei JohnnyWater.de haben ein Erstellungsdatum. Dieser auch, aber wie man unschwer erkennen kann, ist es ein Datum, das noch in der Zukunft liegt. Eigentlich müsste da 1.1.2020 stehen, nicht 31.12.2020. Aber dieser Artikel soll jetzt ein Jahr lang ganz oben auf der Seite stehen. Warum? Es ist Artikel Nummer Eins in einer Reihe von Artikeln, möglichst jeden Tag soll hier ein Eintrag erfolgen, ein Eintrag, in dem ich schreibe, was ich getan habe, um schneller im Wasser und besser bei Freiwasser-Rennen zu werden. Ein Trainingstagebuch, zu finden unter dem Punkt "Schneller schwimmen". Ich will nämlich noch mal versuchen, mein Schwimmen auf ein anderes Level zu heben. Mehr Training. Besseres Training. Eingefahrene, aber nicht sehr ergiebige Sachen ändern. Schlaueres Zusatztraining, schlaueres Zugseiltraining, Mobilty, Fitness, Kraftausdauer erhöhen. Und: Technik verändern, verbessern. Klingt nach einem Plan, oder?Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Morocco Swim Trek 2019: 30 Kilometer schwimmen

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Seit 2015 gibt es "Morocco Swim Trek". Ein mehrtägiges Schwimmrennen in der Westsahara, das zwar so heißt wie der englische Schwimmreisen-Veranstalter, mit dem aber nichts zu tun hat. "Morocco Swim Trek" ist ein ziemlich außergewöhnliches Event, man schwimmt an vier aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 30 Kilometer. Ich war 2018 das erste Mal dabei - und weil das zum Teil nicht so ganz abgelaufen war, wie ich mir das vorgestellt hatte, ging es auch 2019 wieder in die Westsahara, ins Zelt direkt an der Lagune von Daklha. Und hier schon mal der Hinweis: Wem gefällt, was ich über diesen Trip berichten kann, der sollte sich überlegen, da hinzufahren und mich zu kontaktieren. Als Gruppe, auch als Kleingruppe, macht das sehr viel mehr Spaß! Aber der Reihe nach! Die Anfahrt bzw. der Anflug war dieses Mal komplizierter. Dakhla, der Flughafen in der Gegend, kann nicht jeden Tag angeflogen werden, ich und ein Freund aus dem Schwimmverein kamen mitten in der Nacht an, mussten dann noch 30 Kilometer vom Flughafen zur ersten Unterkunft, einem wirklich schönen Surfcamp direkt am Wasser fahren. Am nächsten Tag dann das Briefing, an den darauffolgenden Tagen die vier Rennen von 6,5 km, 8,5 km, 10 km und 5 km Länge. Wer übrigens glaubt, anhand der Länge der einzelnen Rennen sagen zu können, welches am leichtesten, welches am anstrengendsten war, der irrt sich.Weiterschwimmen, äh, -lesen …

100x100 in Braunschweig

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ch bin mir nicht ganz sicher, wie groß der Trainingseffekt einer "100 x 100"-Einheit ist, aber bilde mir ein, dass das als Vorbereitung für Langstreckenwettkämpfe nicht schaden kann. Warum? Man schwimmt ja eher im langsamen Ausdauerbereich, ziemlich nah an seinem CSS-Tempo, das kann nicht schlecht sein. Aber das ist ja nur die körperliche Seite, die geistige ist ja bei der langen Strecke auch wichtig. Man beschäftigt sich mit dem "warum". Nicht so sehr in der ersten Stunde, aber dann, später. Wenn es anfängt, weh zu tun. Aber der Reihe nach: mein viertes 100x100m-Schwimmen fand in Braunschweig statt. In einem schönen Schwimmbad, mit ein paar Dutzend anderen. Und auch wenn es jedes Mal ein bisschen leichter wird, tut es eben weh. Es war der 9.November, zwei Wochen vor Abreise zum großen Schwimmen in Marokko. Bahn nach Bahn nach Bahn. Und als wäre das nicht genug gewesen, ging es auch noch mit der Bahn von Berlin nach Braunschweig und mit der Bahn von Braunschweig zurück nach Berlin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir nach dem dreieinhalb Stunden langen Schwimmen auf dem Nachhauseweg in der Bahn etwas eingefangen habe und dann erst einmal zwei Wochen lang krank im Bett lag. Aber gefühlt ist ja gerade jeder zweite krank, vielleicht war das auch schon vorher passiert. Oder etwas später. So oder so: ich weiß jetzt noch ein bisschen besser, dass ich 10 Kilometer ohne große Probleme bewältigen kann. Nur das mit dem Essen muss ich noch ein bisschen besser auf die Reihe bekommen, da unterschätze ich den Kalorierenbedarf. Später mehr dazu!

Und noch einmal von Europa nach Asien

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30. August 2019: und wieder schwimmen Hunderte von Europa nach Asien. Wie man hier auf der Urkunde sehen kann, ist die offizielle Länge sechseinhalb Kilometer, aber das stimmt so nicht - es sind so um die vier und dazu kommt, wie ich schon im letzten Jahr feststellen konnte, eine starke Strömung. Aber offenbar nicht so stark wie im letzten Jahr, ich war nämlich, trotz definitiv besserer Form, ein paar Minuten langsamer. Es hat trotzdem gereicht fürs Podium, Platz 3 in meiner Altersklasse. Aber Ergebnisse (und auch Zeiten bei solch wechselhaften Bedingungen) sind ja eher langweilig. Spannend ist, was drumherum passiert. Im letzten Jahr waren die Organisatoren (und auch die Einheimischen im Ort Canakkale) ziemlich dankbar, dass so eine große Gruppe aus dem Ausland angereist war. Denn im Zuge der innenpolitischen Lage in der Türkei war der Tourismus offenbar zurückgegangen. Dieses Jahr aber war wirklich viel los, nicht nur, was uns als zusammengewürfelte Gruppe von Engländern, Deutschen, Amerikanern, Südafrikanern, Franzosen, Niederländern etc. anging, sondern auch den Tourismus innerhalb der Türkei. Der Ort war voll! Und das Schwimmen? War auch voll. Voll gut. Es ist eben ein besonderes Erlebnis, von einem Kontinent zum anderen zu schwimmen. Und dazu noch in einem Gewässer, das so dicht befahren ist wie eben die Dardanellen. Ein anspruchsvolles Schwimmen, bei dem man ziemlich genau darauf achten muss, wo man hinschwimmt. Das Ziel ist nämlich wegen der starken Strömung nur in einer Kurve oder Parabel zu erreichen, der direkte Weg führt am Ziel vorbei, da kann man sich dann von Begleitschiffen rausfischen lassen. Wie gesagt: alles auch unter dem Eintrag vom letzten Jahr nachzulesen. Im nächsten Jahr, wenn ich denn noch einmal dort schwimmen sollte, würde ich jedenfalls versuchen, einen direkteren Weg zu nehmen. No risk, no fun!

Das beste Freiwasserschwimmen Berlins

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Berlin liegt bekanntlich nicht am Meer, mit dem Schwimmen im offenen Wasser ist es also so eine Sache. Die Spree, die mitten durch die Stadt führt, ist so dreckig, dass ich freiwillig nicht einmal meine Füße da reinhalten würde. Immerhin, man will das ändern, es gibt ein paar Menschen, die träumen davon, die Spree wieder schwimmbar zu machen (dafür soll unter anderem verhindert werden, dass Regenabwasser in die Spree fließt), aber das ist noch lange nicht möglich. Was also bleibt? Die Seen Berlins. Einmal im Jahr gibt es sogar einen richtigen Schwimmwettkampf in einem dieser Seen, im Müggelsee, dem größten. Ich habe das vor vier Jahren entdeckt, als ich wieder mit dem Schwimmen angefangen habe und bin seitdem eigentlich immer dabei. Nur letztes Jahr musste ich arbeiten, dieses Jahr aber war es wieder so weit. Gerade noch einmal nachgesehen: 2017 habe ich geschrieben: "Und dann, so jedenfalls ist das Ziel, die dreieinhalb Kilometer in 57 Minuten zu schaffen. Möglich ist das. Wir werden sehen, wie das am 19. August 2018 läuft." Tja, lief dann ja nicht, aber 2019 dafür umso besser. Ausreichend geschlafen, wohlgenährt, gut trainiert, ging es dieses Mal so schnell wie nie zuvor: 56:25. Was soll ich sagen? Bin voll zufrieden. Würde aber trotzdem gerne noch einmal so richtig viel schneller werden. Mein Ziel für irgendwann: 52 Minuten (das ist ein Schnitt von 1:30 auf 100 m). Aber das braucht vielleicht noch ein bisschen Training. Für 2020 reicht mir schon, wenn ich wieder ein bisschen schneller werde. Schneller ist nämlich immer ein bisschen besser als langsamer.

Und zum dritten Mal: 100x100 in Hamburg

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Das ist ja fast schon eine Tradition! Auch 2019 (nach 2018 und 2017) wieder nach Hamburg gefahren, um die 100x100 zu schwimmen. 100x100, das bedeutet: 100 mal 100 Meter schwimmen, also insgesamt 10 Kilometer. Ich trainiere nach wie vor ganz normal, also höchstens an drei Tagen in der Woche und dann niemals mehr als insgesamt 4000 Meter, man könnte also denken, dass das eine ziemliche Herausforderung ist. Aber je öfter man die 100x100 schwimmt, desto einfacher werden sie, wirklich! Der größte Fehler, den man da machen kann, ist, zu schnell anzugehen. Die ersten Bahnen bin ich wirklich ruhig geschwommen, es gab ja kein Einschwimmen, da musste ich erst einmal warm werden. Und dann ganz gleichmäßig, ohne große Zwischenspurts oder Hektik die drei oder dreieinhalb Stunden durchziehen.

Aber vielleicht fange ich noch mal ganz anders an: Mir ist nämlich aufgefallen, dass da eine ganz komische Stimmung herrschte in der Hamburger Alsterschwimmhalle. Beim Warten und dann beim Reingehen in die Halle herrschte eine fast schon bedrückte Atmosphäre. Wir Schwimmer (ich will mich da gar nicht ausnehmen) benehmen uns so, als würden die Endwettkämpfe der Schwimm-WM bevorstehen. Oder die Olympischen Spiele. Jeder ist irgendwie für sich oder mit seiner Schwimmgruppe, wer sich nicht kennt, spricht kaum mit den anderen, jeder kämpft für sich allein. Schade eigentlich. Aber vielleicht ist der Schwimmsport ja wirklich etwas für Menschen, die etwas Autistisches haben, das Schwimmen an sich ist ja eine ziemlich einsame Sache bzw. erfordert nicht zwangsläufig, dass man miteinander redet.

Die Veranstalter haben sich dann natürlich bemüht, so etwas wie Stimmung zu schaffen. Musik hilft ja da immer ein bisschen. Und wenn das Schwimmen erst einmal losgeht, ist ja auch wieder alles gut: Man schwimmt und schaut auf die Uhr, man trinkt und isst, wartet auf eine der beiden 5-Minuten-Pausen, in denen man dann vielleicht auch noch mal schnell auf die Toilette kann. Und dann, nach drei, dreieinhalb Stunden, ist auch schon wieder alles vorbei. Brötchen, alkoholfreies Bier, Medaille, Zack, sind auch diese 100x100 wieder Geschichte.

Siebeneinhalb Kilometer durchs Rote Meer

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Man will ja nicht mehr ständig fliegen. Also ich jedenfalls nicht. Die Reisen wollen also sorgfältig ausgewählt werden! Ziemlich weit oben auf meiner Liste steht der Red Sea Swim Cup. Letztes Jahr war ich das erste Mal da, habe mir das alles in Ruhe angesehen und bin dann in klarem, warmen Wasser geschwommen, Ende Januar. Auch 2019 bin wieder hin, um als Schwimm-Journalist das Ganze abzubilden - und mitzuschwimmen! Der Red Sea Swim Cup findet im israelischen Eilat am Roten Meer statt, das Wasser hat da eine angenehme Temperatur von ca. 20 - 22 Grad. Ganz unterschiedliche Menschen schwimmen da, ganz junge und ziemlich alte, sehr gute und auch nicht so gute Schwimmer und Schwimmerinnen finden sich da.

Nach 4,5 km im letzten Jahr habe ich mich in diesem Jahr für die 7,5 km entschieden. Früh morgens (wirklich früh, um 6!) ging es zum Strand von Eilat, dort holte ich mir meinen Chip und einen Hoodie (jedes Jahr gibt es da was Schönes für alle Teilnehmer) ab. Und dann, nach kurzer Einweisung, los! Das Wasser sauber und klar, ein 1,5 Kilometer langer Rundkurs (na ja, eigentlich eher ein rechteckiger Kurs) musste fünf Mal geschwommen werden. Ein paar wirklich starke Schwimmer waren dabei, aus Israel selbst und aus Russland. Ich konnte mich für eine Zeit lang an einen schnellen Schwimmer hängen, später hing jemand an mir dran. Nach für mich guten 2 Stunden 10 Minuten war ich im Ziel - und wurde Dritter in meiner Altersklasse.Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Morocco Swim Trek: 30 km in vier Tagen

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Einzigartige Landschaft, ein Hauch von Abenteuer … und vor allem: schwimmen, schwimmen, schwimmen! Wo bekommt man das? Ich habe es gerade beim "Morocco Swim Trek" bekommen, ein Trip in die Westsahara, bei dem man zum Teil in Zelten übernachtet, und bei dem man an vier "Rennen" innerhalb von vier Tagen über 30 Kilometer schwimmt. Wirklich ein Ausnahmeerlebnis, vor allem dann, wenn man normalerweise nur so um die 10 Kilometer pro Woche trainiert. Aber der Reihe nach:

Gehört hatte ich vom Morocco Swim Trek schon im letzten Jahr, da fand es zum dritten Mal statt, aber alle Plätze waren schon belegt. Also für 2018 auf die To-Do-Liste geschrieben. Die Veranstalter sind Franzosen, die Webseite ist deshalb auch überwiegend auf Französisch, zum Glück gibt es aber auch eine englische Fassung, auf der nicht alles, aber vieles zu finden ist. Ich habe ein halbes Jahr vor Beginn des Ganzen meine Teilnahme gesichert. Und dann wirklich gewissenhaft trainiert, möglichst drei Mal die Woche, möglichst immer pünktlich da sein, vernünftig aufwärmen, alles, was der Trainingsplan hergibt, abarbeiten. Immer näher rückte der Termin. Und immer mehr Mails kamen aus Frankreich: was man alles mitnehmen sollte, was man noch nachreichen müsste: ärztliche Bescheinigung über Gesundheit, die Angabe der Blutgruppe, Ankunfts- und Ablugszeiten. In Dakhla, wo das Ganze statfand, ist es nämlich ein bisschen komplizierter. Das Gebiet ist völkerrechtlich umstritten, bis 1975 hatten die Spanier dort das Sagen, dann übernahmen kurz die Mauretanier, dann die Marokkaner, die Dakhla bis heute für sich beanspruchen und ordentlich dort bauen, um ihre Präsenz zu erhöhen. Ziemlich viel Miliätr und Polizei auf den Straßen lässt darauf schließen, dass das nicht allen recht ist. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Von Europa nach Asien, Troja im Blick!

Ich bin ja eigentlich schon zertifizierter Cross-Continental-Schwimmer, weil ich 2016 beim Bosporusschwimmen teilgenommen habe. Es gibt aber einen Schwimmwettkampf, der von der geschichtlichen Bedeutung her noch wichtiger ist: den "Turkish Hellespont Swim". Dort schwimmt man vom europäischen Teil der Türkei rüber zum asiatischen, vom Ort Eceabat nach Canakkale. Canakkale liegt nicht so weit weg von den historischen Ausgrabungsstätten, an denen sich Troja befinden soll (in Canakkale steht übrigens auch das Original-Pferd, das im Kinofilm "Troja" zum Einsatz kam). Einmal im Jahr, am türkischen Nationalfeiertag, wird für ein paar Stunden der Schiffsverkehr an dieser Meerenge gesperrt, 700 Schwimmer werden auf ein Boot gepackt, fahren nach Eceabat und schwimmen dann von dort nach Canakkale. Einer dieser Schwimmer war ich.

Schon am Vortag hatten uns die Veranstalter (der Rotary Club von Canakkale) erklärt, wie man am besten zu schwimmen hat, denn in dieser Meerenge gibt es eine ziemlich starke Strömung! Man schwimmt deshalb nicht in direkter, gerader Linie, sondern in einer Art Ellipse: In Eceabat geht man an einem kleinen Strand ins Wasser, schwimmt dann erst einmal etwa einen Kilometer Richtung gegenüberliegendes Ufer, wird dann aber von der Strömumg halbkreisförmig abgetrieben, peilt dann einen Punkt (genauer gesagt: die Flutlichtürme eines Fußballstadions) links vom Ziel an und lässt sich dann mit der Strömung in Richtung Ziel treiben. Je stärker man als Schwimmer ist, desto gerader kann man die Strecke schwimmen, je langsamer man schwimmt, desto größer muss die Kurve ausfallen. Nicht jeder hat das gut hinbekommen, etliche der Schwimmer wurden vom Wasser am Ziel vorbeigetragen! Mir gelang es ganz gut, die angeblich 6,5 Kilometer (es waren wohl eher 4,5, aber auf der Urkunde stehen 6,5) habe ich in nicht einmal 50 Minuten gemeistert, in der Gesamtwertung landete ich auf Platz 26, in meiner Altersklasse auf Platz 2 (ja, das da links auf dem Foto bin ich, gerade gab es die Medaillie und den Handschlag).

Warum ist das eigentlich so ein bedeutsames Schwimmen? Lord Byron, der berühmte britische Dichter, war so fasziniert von der griechischen Sage von Hero und Leander (Leander schwamm diese Strecke jede Nacht zu seiner Geliebten Hero, die ihm den Weg mit einer Fackel wies, diese Fackel wurde irgendwann vom Sturm ausgeblasen, Leander fand den Weg nicht mehr und ertrank), dass er selbst dort schwimmen wollte und das 1810 auch tat. Damit begründete er sozusagen das Open Water Swimming. Es ist aber auch so bedeutsam, weil die Gegend eine große Bedeutung für die Türkei hat, hier wurden viele Schlachten geschlagen, was man auch an vielen Denkmälern sehen kann. Für uns Schwimmer ist das ein bedeutsames Rennen, weil es technisch sehr anspruchsvoll ist - wie gesagt, die Strömung!

Flucht von Alcatraz!

Es gibt wirklich ganz wunderbare Schwimm-Aktionen, die man sich ausdenken oder an denen man teilnehmen kann. Auf den Malediven etwa in lauwarmem Wasser mit der Strömung eine Insel umrunden. Im kristallklaren Wasser Siziliens an der Küste schwimmen. Kilometerlang vor Mallorca entlangtreiben. Sie alle haben gemeinsam: gute Sicht, schöne Temperaturen. Und dann gibt es die anderen Herausforderungen, die nicht ganz so angenehm erscheinen, aber am Ende, wenn man sie gemeistert hat, ein Gefühl der Befriedigung hervorrufen. Eine solche Herausforderung habe ich im Juli gemeistert. Ich nenne sie die "Flucht von Alcatraz". Alcatraz ist eine ehemalige Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco, der berüchtigte Gangster Al Capone war dort einst inhaftiert. 1963 wurde das Gefängnis geschlossen, Alcatraz ist mittlerweile Naturschutzgebiet. Aber als da noch Menschen gefangen gehalten wurden, galt Alcatraz als ausbruchssicher: Selbst wer seiner Zelle entkommen konnte, musste ja danach schwimmen, kilometerweit, in wirklich kaltem Wasser. Und dann, so hieß es immer, waren da ja auch noch die Haie!

Ob wirklich niemals ein Gefangener von Alcatraz fliehen konnte? Es gibt einen Ausbruchsversuch von 1962, bei dem nicht ganz klar ist, wie er nun eigentlich endete: Frank Morris und die Brüder Anglin konnten aus ihren Zellen in einen Luftschacht entkommen und von dort aus zu einem aus Regenmänteln gebauten Schlauchboot gelangen. Teile des Boots wurden später von Fischern gefunden, dann verliert sich die Spur der drei. Ob sie ertrunken sind oder tatsächlich die einzigen Häfltinge waren, denen die Flucht gelang, ist nach wie vor unklar, auch wenn es einige Indizien dafür gibt, dass sie wirklich entkommen sein könnten. Wer mehr wissen will: es gibt ja die Verfilmung mit Clint Eastwood. Alcatraz also. Ein Mythos, den man sich tatsächlich selber erschwimmen kann. Es gibt einige offizielle Rennen (zum Beispiel das Alcatraz Sharkfest) bzw. monatliche Schwimmen von Alcatraz zum Hafen von San Francisco. Man kann sich das aber auch individuell organisieren lassen, was wir (zwei Freunde und ich) aus Termingründen auch gemacht haben. Aber der Reihe nach!

Es gibt vor einige Herausforderungen, wenn man von Alcatraz Richtung Hafengegend von San Francisco schwimmt: die Entfernung, die Wassertemperatur, die starke Strömung. Und die Haie! Vor San Fransisco liegt nämlich ein Meergebiet, das in Surferkreisen "Red Triangle" genannt wird. Nirgendwo auf der Welt soll die Dichte an Weißen Haien so groß sein wie hier! Aber: In der San Francisco Bay, der Buch vor San Francisco, in der auch Alcatraz liegt, hat angeblich noch nie ein Hai einen Menschen angegriffen. Es gibt allerdings ein Video aus dem Jahr 2015, von Touristen aufgenommen, auf dem ein Weißer Hai zu sehen ist, der auf spektakuläre Weise eine Robbe oder einen Seelöwen erlegt und zwar genau an der Stelle, wo man vor Alcatraz aus einem kleinen Boot ins Wasser geht, um Richtung Hafen zu schwimmen.Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Und zum zweiten Mal: 100x100 in Hamburg

Ich weiß nicht: "Are you tough enough?" überzeugt mich immer noch nicht so richtig, aber unter diesem Motto steht es nun mal, das 100x100-Event, das am 3. März erneut in Hamburg über die Bühne ging. 100x100, so hatte ich es schon nach dem letzten Mal geschrieben, sind 10 Kilometer. Dementsprechend kaputt ist man dann auch nach knapp vier Stunden. Immer noch schön organisiert, dieses Schwimmen in der Alsterschwimmhalle: zehn Bahnen mit jeweils zehn SchwimmerInnen, die dann 100 mal die 100 Meter schwimmen. Letztes Jahr hatte ich noch die längere Pause gewählt, also die Abgangszeit von 2:15 Minuten. Dieses Mal dann alle zwei Minuten Abgang. Geht nicht nur, macht auch Spaß! Schön locker die jeweiligen 100 Meter schwimmen, am Anfang noch so etwa in 1:30 (und dementsprechend dann mit einer halben Minute Pause), später eher 1:40 (und nur noch zwanzig Sekunden Pause). Und ebenfalls anders als im letzten Jahr: Ich schwamm nicht ganz vorne, sondern hinten in meiner Gruppe. Das ist sehr entspannt, man kennt es ja aus dem Training, da macht einem niemand Druck.

Zehn Kilometer sind natürlich trotzdem nicht sooo wenig, vor allem, wenn man im Training eher drei bis vier Kilometer schwimmt. Aber es war nicht so sehr der Körper, der mich gebremst hat, sondern der Geist. Denn es stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, warum man das eigentlich macht. Ich habe es gemacht, weil ich wirklich nach wie vor sehr gerne schwimme und immer wieder Events oder Rennen heraussuche, bei denen ich mich beweisen kann bzw. wo ich für mich selbst feststelle, ob ich fit bin oder nicht. Mit dem Training ist das nämlich so eine Sache: man kann da regelmäßig hingehen und trotzdem nicht so richtig konzentriert schwimmen, man mogelt sich also ein bisschen durch. Wenn aber solche Ereignisse wie 100x100 anstehen, dann ist das zumindest bei mir so, dass ich besser trainiere. Ich will schließlich nicht versagen.

Interessiert an den 100x100? Kommen bestimmt wieder, es gibt sie ja nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen Hallen Deutschlands. Vielleicht sogar noch ein bisschen öfter als sonst, denn das Interesse am Schwimmen, so habe ich das Gefühl, nimmt nach wie vor zu. Meine Empfehlung: so früh wie möglich anmelden, die Plätze sind schnell weg. Und dann ordentlich trainieren. Nicht speziell 100er, sondern einfach nur konzentriert. Und die Pausen nicht so lang werden lassen.

Zwei Dinge noch: Wir hatten einen jungen, durchtrainierten Schwimmer auf der Bahn, der am Anfang sehr schnell vorne mitgewschwommen ist. Zu schnell offenbar, denn er wurde dann ab Kilometer 6 immer langsamer und langsamer, so dass er die Pausen durchschwimmen musste und es nur mit viel Mühe (und ein bisschen goodwill der Veranstalter) schaffte, die zehn Kilometer vollzumachen. Und die zweite Sache: Ursprünglich hatte ich mich ja mal für 100x100 angemeldet, weil ich so eine kleine Trophäe haben wollte. Auch dieses Jahr wurden die nicht vergeben (das war wohl eine einmalige Sache 2016). Was macht man da? Na ja, man lässt sich selber so eine Trophäe herstellen (siehe Foto).

Freiwassser im Januar!

Es gibt in Europa und im Mittelmeerraum meines Wissens nur ein einziges Open-Water-Schwimmen, das im Januar stattfindet. Das ist der Red Sea Swim Cup in Eilat. Ich dachte mir: schau Dir das doch mal an und schwimm die 4,5 Kilometer mit. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt! Eilat selbst ist ein Touristenort ganz im Süden Israels, viele Israelis, Russen und Jordanier machen dort Urlaub (die Grenze zu Jordanien ist nur ein paar hundert Meter weg, die zu Ägypten ein paar Kilometer. Der Red Sea Swim Cup findet traditionell immer einen Tag nach dem "Isramen" statt, einem Triathlonwettkampf. Das Schwimmen am nächsten Tag kann zum Ausschwimmen, zum Austoben oder was auch immer genutzt werden. Ich, als Nicht-Triathlet, habe das für "was auch immer" genutzt.
Angekommen in Eilat bin ich einen Tag vorher, aber so spät, dass ich meine Meldeunterlagen nicht abholen konnte. Musste ich also ziemlich früh am Wettkampftag am Roten Meer sein. Dort hatten sich ca. 200 (also jetzt wirklich so ganz ca.) Schwimmerinnen und Schwimmer versammelt, die in verschiedenen Strecken (1,5 km / 4,5 km / 7 km) mit oder ohne Neopren-Anzug gegeneinander antraten. Ist ja jetzt nicht so spannend, über so ein Rennen zu schreiben und davon zu lesen, deshalb ganz kurz: das ist allles sehr freundlich und ohne großen bürokratischen Aufwand organisiert, ich war, wenn ich das richtig gesehen habe, in diesem Jahr der einzige Schwimmer aus Deutschland, man schwimmt da auf einem Rechteck-Kurs, der 1,5 km lang ist, im Uhrzeigersinn. Bei 4,5 km also drei Mal im Kreis bzw. Rechteck). Leider ist bei mir etwas schiefgegangen, ich tauchte am Ende in keiner Liste auf, bin aber nach meiner eigenen Zeitrechnung 1:26 geschwommen und wurde damit zweiter in meiner Altersklasse. Das Wasser ist super, auch angenehm warm (ohne zu warm zu sein, ich schätze mal so um die 21, 22 Grad). Ein paar Fische gesehen, keine Quallen, für alle Teilnehmer gab es eine Mütze, wie man auf dem Foto sehen kann. Endlich mal keine neue Badekappe! Insgesamt viele gute SchwimmerInnen dabei!
Eilat selbst ist jetzt nicht die schönste Stadt der Welt, hat aber ein paar schöne Ecken, die man entdecken muss. Nach drei Tagen aber hat es mir gereicht und ich bin nach Tel Aviv weitergefahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und immer schön der Costa Brava entlang

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Wahrscheinlich sollte man das gar nicht so ausbreiten, weil sonst noch mehr Touristen kommen. Andererseits: schwimmende Touristen sind die besten Touristen. Und je mehr von ihnen kommen, desto schöner wird es im Wasser. So jedenfalls meine Theorie. Also, um was geht es? An der Costa Brava, diesem zerklüfteten Stück Küste zwischen Barcelona und der französischen Grenze am spanischen Mittelmeer haben vor einiger Zeit die Tourismusverantwortlichen (oder wer auch immer) Schwimmzonen eingerichtet. Hier der Link zu den offiziellen Seiten. Das sind Strecken, die ein bisschen länger sind als nur ein paar Dutzend Meter, abgesperrt mit Bojen, Flächen, in die (theoretisch) kein Boot eindringen darf. Ich bin das erste Mal vor Jahrzehnten mit meinen Eltern an die Costa Brava gefahren, immer in den gleichen, sehr kleinen Ort, in den ich auch jetzt noch mal gefahren bin, um dort zu schwimmen. Aufmerksame Leser merken wahrscheinlich gerade, dass ich den Ortsnamen nicht nenne. Zumindest ein bisschen möchte ich ihn geheimhalten. Für das Schwimmen macht es auch keinen Unterschied: das Wasser ist an all den verschiedenen Schwimmstellen gleich angenehm und ziemlich klar, es gibt ab und zu Quallen, Wellen sind je nach Tagesform kaum bis ganz schön ordentlich vorhanden. Ich fand das jedenfalls toll, das Mittelmeer und die Costa Brava noch mal anders zu entdecken, gerade, wenn man alleine schwimmt (was man natürlich nicht machen soll, was für mich aber manchmal den Reiz erhöht) ist das wie ein kleines Abenteuer: um die Ecke geschwommen, weg sind Strand und Boote und Menschen (und natürlich auch der Lifeguard). Wie man hier auf dem Foto sieht, ist in der Bucht, in der ich war, ohnehin nicht viel los, aber das liegt daran, dass da im Oktober so langsam alles eingemottet wurde und auch die Bojen für die Schwimmstrecke langsam abgebaut wurden. Im Sommer ist das vielleicht alles noch mal ganz anders, vermutlich voller und lebhafter und vielleicht weniger aufregend, dafür eventuell besser für furchtsame Seelen. Anders als geplant bin ich tatsächlich nur zwei Mal so richtig lange geschwommen. Dafür habe ich ein paar Schwimmer mit Neopren beobachtet. Und eine Swimquest-Reisetruppe, falls es interessiert, war auch dort. Gerne wieder.

Delphine sind schuld: zum ersten Mal Erster

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Die Überschrift führt ein bisschen in die Irre, denn ich bin am 2. September 2017 nicht nur zum ersten Mal erster geworden, sondern auch zum zweiten Mal. Ich habe nämlich zwei Urkunden bekommen, einmal als Erster in der Gesamtwertung der Männer, einmal als Bester in meiner Altersgruppe. Und obwohl ich das jetzt schwarz auf gelb in Form der Urkunden vor mir habe, bin ich gar kein richtiger Erster: die Siegerin bei den Frauen hat mir nämlich am Ende keine Chance gelassen. Trotzdem: in meiner Schwimmkarriere (die sich ja mit wirklich langen Unterbrechungen über Jahrzehnte hinzieht) habe ich noch nie den ersten Platz erschwommen. Der so genannte "M-Cup" hat das jetzt also geändert und auch wenn da nicht so viele Teilnehmer die 1,6 km geschwommen sind, fühlt sich das gut an. Und es motiviert. Und lässt mich sogar vom Schwimmen träumen, was ich auch seit Ewigkeiten nicht mehr hatte. Sowieso komisch: wie kann das sein, dass man so viel Zeit mit dem Schwimmen verbringt, Bücher zum Thema liest, Reisen in Sachen Schwimmen plant und dann nicht davon träumt? Ich kann mir das nur so erklären, dass das Schwimmen bei mir eine so entspannende Wirkung hat, dass es mein Unterbewusstsein nicht weiter beschäftigt.

Aber vielleicht ändert sich das jetzt nach dieser Platzierung? Ach ja, wie man schon auf dem Foto sieht: der "M-Cup" ist ein Schwimmwettkampf im Motzener See (deshalb auch "M-Cup"), man geht beim kleinen Brandenburger Ort Kallinchen ins Wasser. Angenehm kühl, angenehm sauber, weil es nicht mehr so heiß war, waren keine anderen Menschen am Startort, dem Seebad Kallinchen. Erst gab es ein kurzes Kinderschwimmen, dann das eigentliche Rennen, organisiert vom Schwimmclub Delphin 1990. Einmal quer rüber, dann kurz links, dann wieder zurück. Und dann Kaffee, Kuchen und eine kleine Siegerehrung. Es gab Duschgel …

Müggelseeschwimmen, die dritte

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Wir schreiben das Jahr 2017, ein Sonntag im August. Das bedeutet: ich schwimme einmal mehr (zum dritten Mal, um genau zu sein) beim Müggelseeschwimmen mit. Es ist das 24. Müggelseeschwimmen und ich fühle mich eigentlich ganz ok. Wie auch die beiden Vorjahre habe ich die Nacht hindurchgearbeitet, bin also erstens leicht drüber, zweitens leicht müde, drittens nicht sonderlich aufgeregt. Über allem liegt ein Schleier, ich fühle mich wie in Watte gebettet (was Schlafentzug ja nun mal manchmal mit einem macht), dazu passt, dass auch an diesem Morgen der Nebel über dem See liegt. Aber der verzieht sich auch gleich wieder. Ich habe ziemlich gut trainiert in den letzten Monaten (bilde ich mir jedenfalls ein, aber dazu später), das Wasser ist angenehm kühl. Wie immer geht es um 11 Uhr los, wir starten in Gruppen von 50 Schwimmern und zwar, wenn ich mich richtig erinnere, im Abstand von 2 Minuten zwischen den Gruppen. Hunderte sind gekommen, ich bin in der zweiten Startgruppe.

Kleiner Exkurs (nicht im Müggelsee, sondern hier in diesem Text): Es ist ja nicht so einfach mit dem so genannten Pacing. Wie schnell oder wie langsam das Rennen angehen? Und soll oder soll man sich nicht an einen leicht schnelleren oder zumindest gleichschnellen Schwimmer dranhängen? Was das Pacing angeht, habe ich auf längeren Strecken einfach nicht genug Erfahrung. Ich beschließe, die ersten Meter nicht so schnell anzugehen, und dann ein bisschen später zuzulegen. Dass mit dem "nicht so schnell anfangen" funktioniert ganz gut, dass mit dem "Zulegen" später nicht so gut. Es ist allerdings auch ein schmaler Grat, wer zu schnell anfängt (was ziemlich oft vorkommt), hat manchmal schon sein Pulver verschossen und versucht sich die restlichen Kilometer über Wasser zu halten, ohne Spaß an der Sache zu haben. Im Zweifelsfall - und wenn es ja nicht um olympisches Gold geht - kann das Ganze ruhig etwas vorsichtiger angegangen werden. Und mit dem Ranhängen? Ich hänge mich nicht irgendwo dran. Aber bei mir ist definitv jemand nur ein paar Zentimeter entfernt und schlägt mir alle paar Züge auf die Füße. Grundsätzlich ist mir das egal, ob jemand im Wasserschatten schwimmt oder nicht, es gibt ja keine Regel, die es verbietet. Aber ständiger Körperkontakt kann natürlich anstrengend sein und auch viel vom Spaß wegnehmen. Nach einer Weile aber lasse ich ihn oder sie hinter mir. Und dann liegt eine knappe Stunde vor mir, allein im Wasser, von Boje zu Boje. 3,5 Kilometer sind nicht die Welt, aber können sich trotzdem ziehen. Bin ich schnell unterwegs oder langsam? Überhole ich oder werde ich überholt? Ich weiß es nicht. Ich schwimme einfach weiter und weiter und bin schließlich im Ziel. Fast zwei Minuten langsamer als im letzten Jahr. Schneller wäre allerdings nicht gegangen, nicht in diesem Jahr. Was bleibt? 2018 vielleicht anders trainieren, vorher richtig schlafen (und nicht arbeiten). Und dann, so jedenfalls ist das Ziel, die dreieinhalb Kilometer in 57 Minuten zu schaffen. Möglich ist das. Wir werden sehen, wie das am 19. August 2018 läuft.

Smaragdschwimmen in Italien

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Es gibt einen englischen Schwimmreisenveranstalter, der zwar nicht ganz billig ist, aber dafür seine Reisen sehr, sehr gut organisiert: SwimTrek. Vor zwei Jahren war ich das erste Mal mit SwimTrek unterwegs, damals auf Mallorca, bei einer Reise, die sich "Introduction to Open Water Swimming" (oder so ähnlich, es ging um das langsame Heranführen ans Schwimmen in offenen Gewässern, auf was man da achten muss, was für eine Technik sich empfiehlt, wie man das richtige "sighting" betreibt, also im Blick behält, wo man hin will) nannte. Letztes Jahr dann in der Türkei, um den Bosporus zu durchqueren (SwimTrek macht da nicht so viel, es besorgt das Hotel und fährt einen zum Start des Schwimmens und zurück, aber vor allem garantieren sie einem einen Startplatz!). Und in diesem Sommer also die Costa Esmeralda, die Smaragdküste in Italien, genauer gesagt: Sardinien.

Ganz kurz die Rahmenbedingungen: tolles Wetter, noch tolleres, weil unglaublich klares Wasser. Wir waren eine Gruppe von insgesamt 15, jeden Tag sind wir mit dem Boot zu einer der umliegenden kleinen Inseln gefahren, um sie zu umrunden, um zwischen den Inseln das tiefe Meer zu durchqueren. Hat mich an vergangene Tauchurlaube erinnert, nur eben nicht mit Tauch-, sondern mit Schwimmgang: Vorbesprechung, Route auf der Karte ansehen, Ansage, auf was man so achten muss und dann ins Wasser. Aufgeteilt in drei Gruppen, die unterschiedlich sicher und schnell unterwegs waren, schwimmt man dann stundenlang im Salzwasser. Ich weiß nicht, ob das schon immer so war im Mittelmeer, aber obwohl das dort eine Naturschutzzone war, gab es nicht wirklich viel zu sehen: ein paar kleinere graue Fische, Seesterne, Seeigel, in fünf Tagen nur einen kleinen Rochen und eine kleine Muräne als etwas außergewöhnlichere Tiere. Dafür aber auch keine gefährlichen Tiere. Und nur an einem Tag ein paar Quallen, die so klein und unscheinbar direkt unter der Wasseroberfläche schwammen, dass man sie nicht sah, bis es fast zu spät war (es soll ja Schwimmer geben, die tragen Quallen-Verbrennungsmale wie Auszeichnungen). Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Schnell, schneller, am schnellsten

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Es ist ja alles nicht so einfach: da trainiert und trainiert und trainiert der "Schwimmer im besten Alter", aber weil das beste Alter nicht immer das mit der größten Leistung ist, ist es mit der Geschwindigkeit im Wasser nicht so wie früher, als man mit dem gleichen Aufwand schneller und schneller und schneller wurde. Woran das liegt? Am Körper, der kann nämlich einfach nicht mehr so, weil ihm die Regenerationskraft, die Muskelmasse, die Leistung fehlt. Könnte man jetzt natürlich sagen: Gut, dann muss ich ja nicht mehr trainieren, hat ja eh alles keinen Zweck, der liegt falsch. Denn was sich sehr wohl noch verbessern lässt, ist die Technik. Klar, irgendwann einmal lässt einen auch die Beweglichkeit im Stich, dann sind manche Bewegungsabläufe einfach nicht besser hinzubekommen (dieser hohe Ellbogen bereitet mir jetzt schon so manche Schwierigkeiten). Aber viele Sachen, die man früher falsch gemacht hat, kann man auch im hohen Alter noch ausbügeln, sagen die Fachleute.

Einer dieser Fachleute ist Ernest W. Maglischo. Von ihm stammt so etwas wie die "Bibel der ernsthaften Schwimmer und Trainer", ein Buch namens "Swimming Faster". Das stammt aus dem Jahr 1982, wurde dann überarbeitet ("Swimming Even Faster") und dann noch einmal überarbeitet: "Swimming Fastest"! Ich habe es (neben etlichen anderen Bücher über das Schwimmen und das Schwimmtraining) auch und sehe immer und immer mal wieder nach, auf was ich denn so achten könnte. Alle Schwimmarten, Starts, Wenden, Trainingsprinzipien, Erholung, Wettkampfvorbereitung, Aufwärmen und Ausschwimmen und vieles mehr finden sich da sehr ausführlich beschrieben. "Swimming Fastest" in Verbindung mit Youtube-Videos = Klarheit.

Dazu kommt: es gibt so viele Weisheiten aus dem Schwimmsport, die sich oft widersprechen, die oft auch schon veraltet sind, da hilft es ungemein, ein festes Nachschlagewerk zu haben. Am besten sind meiner Ansicht nach die Kapitel, in denen die häufigsten Fehler bei den einzelnen Schwimmarten besprochen werden. Falls ich doch noch mal den Trainerschein machen sollte, dann dürfte das meiner Gruppe sehr helfen. Falls nicht, hilft es mir schon jetzt! Ach ja, das Buch ist groß (Din A 4) und dick (fast 800 Seiten), aber gebraucht gar nicht so teuer. Es sollte aber die letzte Ausgabe sein, in der ersten steht doch der ein oder andere Unsinn, aber damals wusste man es eben nicht anders.

Die verflixten Beine

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Was tun? Ich habe einen wirklich schlechten Beinschlag bei Kraul und Rücken! Merke ich daran, dass ich mich im Training immer ziemlich weit hinten einreihen muss, wenn wir "Beine schwimmen". Weit hinten heißt: hinter vielen, die normalerweise langsamer sind als ich.

Was aber tun? Wie macht man jahrzehntelange Vernachlässigung, eventuell auch falsche Technik, wieder gut? Das ist ohne Videokamera gar nicht so einfach. Und Videokameras sind bei uns im Schwimmbad prinzipiell verboten. Ich will das trotzdem konsequent angehen - und gehe davon aus, dass das erst einmal eine monatelange, langwierige Aufgabe werden dürfte. Viel Stoff, der hier immer mal wieder Thema sein dürfte.

Wie anfangen? Mit einer Bestandsaufnahme! Woran könnte es denn liegen, dass ich so langsam auf den Beinen bin?

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Schwimmen lernen

tauchen
Montags ist das Training speziell. Wir haben nur eine Stunde Zeit, wenn die Kids ihr Training früher beenden, dann vielleicht ein paar Minuten mehr, weil wir (die Masters-Schwimmer, wie das ja inzwischen heißt) dann schon vor dem offiziellen Trainingsbeginn ins Wasser können. Meist lasse ich mir dann mit dem Einschwimmen mehr Zeit als sonst und schwimme vielleicht 100, 200 Meter mehr. Und dann fangen wir alle zusammen mit dem Training an.

Montags ist das Training speziell. Meist sind wir ziemlich viele auf den beiden Bahnen im Schwimmbad in Charlottenburg, die unserem Verein zugeteilt wurden. Und je mehr wir sind, desto unruhiger wird das Schwimmen. Meist schwimme ich auf der langsameren der beiden Bahnen, da dann aber vorneweg. Da stellt sich am ehesten noch so etwas wie "eins mit dem Wasser, eins mit dem Universum" ein. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Sonntag, du Schwimmverderber

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Morgen. Gleich morgen fange ich an. Dann wird wieder jeden Tag für das Schwimmen gelebt. Ins Wasser, an die Zugseile, an die Gewichte, auf die Laufstrecke. Aber heute ist Sonntag, der graueste Sonntag, den ich seit langem durchlebt habe, und das wirkt sich auf die Motivation aus. Also: keine Core-Übungen. Kein Bankdrücken. Keine Klimmzüge, Liegestütz, Medizinballübungen.

Nicht einmal eine neue Badehose bestellen. Denn davon sind schließlich schon mehr als genug da (was auf dieser Seite demnächst öfter Thema sein dürfte) und sie helfen ja auch nicht, um schneller, besser, ausdauernder zu werden. Ach ja, Sonntag. Eigentlich ganz schön, nichts zu machen. Ich gehe gleich ins Kino. "Wilde Maus" von Josef Hader. Vielleicht schwimmen sie ja da irgendwo.

100x100 sind 10 Kilometer

100mal100
Es ist jetzt schon ein paar Tage her, aber ich bin die 100x100m in Hamburg mitgeschwommen. 100x100m, das sind insgesamt 10 Kilometer. Also grob gesagt das dreifache eines für mich normalen Trainingsabends.

Warum schwimmt man 10 Kilometer? So richtig hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht, bis mich eine Freundin genau das fragte: Warum? Die einfachste Antwort ist, natürlich, zuerst einmal: Weil ich kann. Und ich konnte ja wirklich (auch wenn es anstrengender war, als ich gedacht hatte, aber dazu später mehr). Es hat wohl etwas mit "Grenzen austesten" zu tun, aber auch mit "ungewöhnliche Dinge tun, die mit dem Schwimmen zu tun haben". Kleine und später vielleicht auch einmal größere Herausforderungen.

Letztlich ist es die Fortsetzung meiner Schwimmerkarriere: als Jugendlicher bin ich ein paar Jahre regelmäßig im Verein geschwommen, dann habe ich kurz Wasserball gespielt, dann hörte ich mehr oder weniger auf (was ich heute ein bisschen bedauere), ab und zu ging ich mal wieder für ein paar Wochen oder Monate zum Training. Und dann, vor anderthalb Jahren, die Erkenntnis: ich will nicht ins Fitnessstudio, ich will nicht mehr zum Boxtraining, ich will kein Crossfit oder ähnliches machen, womit ich mir in der Zwischenzeit die Fitness pflegte - ich will wieder schwimmen. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Eine Flosse macht gelb

flosse_edge
Wir schwimmen im Verein, also beim Training, nicht sonderlich oft mit Flossen. Eigentlich nie. Aber ich habe mir trotzdem ein paar neue gegönnt (man kann ja nie genug haben :-). Also nach einem Paar Arena-Kurzflossen und einem Paar Speedo-Kurzflossen jetzt auch noch ein paar Finis-Kurzflossen, offizieller Name: finis edge.

Finis, diese amerikanische Marke, die ziemliche viele Spielzeuge für Schwimmer herausbringt, setzt seit einiger Zeit ja darauf, alle diese Spielzeuge möglichst in vollem Gelbton herzustellen, das trifft auch hier zu.

Die Flossen selbst sind aus Silikon, sehr angenehm zu tragen, auch wenn ich da vielleicht Glück gehabt habe: Mit Schuhgröße 42 bis 43 hatte ich kurz überlegt, ob ich mir mittelgroße oder große holen soll. Und dann für "L" (42,5-44) entschieden. Passt, aber kleiner hätten sie auf keinen Fall sein dürfen. Mittlerweile gibt es auch Zwischengrößen, ich würde empfehlen: im Zweifelsfall lieber die größeren nehmen. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Das Ding mit den Tieren im Meer

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Das werde ich gleich noch weiter ausführen. Aber eins ist klar: wer ins Meer gehen kann, ohne daran zu denken, mit wem man sich das Wasser teilt, ist ein glücklicher Mensch. Oder vielleicht doch nicht? Angst ist schließlich ein guter Motivation. Wobei … Angst ist jetzt vielleicht auch das falsche Wort, aber der Reihe nach:

Es war sicherlich keine besonders gute Idee, einen etwa 12 Jahre alten Jungen den "Weißen Hai" im Kino sehen zu lassen. Ich weiß zwar nicht mehr, mit wem ich da in welchem Kino gesessen habe, aber der Film selbst ist mir noch sehr, sehr, sehr im Gedächtnis, obwohl das jetzt schon ein halbes Leben her ist. Das Meer ist ja an und für sich schon respekteinflößend, mit seinen Gezeiten und Wellen und Stürmen und Strömungen und Tiefen und Untiefen. Selbst gute Schwimmer können, wenn es schlecht läuft, in Bedrängnis geraten.

Und dann eben noch diese Tiere. Nachdem ich als kleiner Junge den bösartigen Hai im Kino gesehen hatte, war jedenfalls nichts mehr so wie vorher, wenn ich ins Meer ging. Hat sich dahinten was bewegt? Und was passiert eigentlich hinter, unter, über, neben mir, wenn ich nach vorne schwimme und sehe? Eben. Urlaub am Mittelmeer also schon mal nicht so schön, auch wenn ich trotz der diffusen Ängste immer ins Wasser ging. Später kamen das Tauchen und das Surfen dazu. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Einmal quer über den See

Mueggelsee
Seit 23 Jahren gibt es das Schwimmen über Berlins größten See, den Müggelsee. 3,5 Kilometer am Stück, eine fast schnurgerade Linie, gekennzeichnet durch ein Dutzend gelbe Bojen. Ausgerichtet und ziemlich gut organisiert wird das Ganze vom TiB 1848, der Start befindet sich im Club der Segelgemeinschaft am Müggelsee, das Ziel im Strandbad Rahnsdorf. In diesem Jahr bewältigten 423 Schwimmer diese Strecke.

Es ist schon im Training nicht unbedingt Standard, dass ich 3500 Meter Gesamtstrecke zurücklege, meist bleiben wir in der Trainingsgruppe drunter. Und 3500 Meter am Stück sind natürlich noch mal was ganz anderes: keine Pausen, kein Ausruhen, kein Abstoßen, sondern immer weiter schwimmen!

Das Ganze ging an einem ziemlich schönen Augustsonntag um 11 Uhr los, jeweils 50 Schwimmer starteten in einer Gruppe, zwei Minuten später die nächsten, mit Hilfe von elektronischen Armbändern wurde die Zeit am Ziel genommen.

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Bosphorus Cross Continental Swimming - Schwimmer gehen nicht unter

Offizielle Badekappe Bosporus Swim
Da ist er also, dieser sehnsüchtig erwartete Moment: endlich geht es in den Bosporus, die legendäre Meerenge zwischen Asien und Europa! Das "Bosphorus Cross Continental Swimming 2016" startet und mit mir springen nach und nach rund 2000 Schwimmer in das warme Wasser, um sechseinhalb Kilometer zu schwimmen, dabei von Kontinent zu Kontinent zu wechseln und sich am Ende hoffentlich besser zu fühlen.

Sechseinhalb Kilometer, das hört sich nach einer langen Strecke an, jedenfalls für den "normalen" Schwimmer, der zwei, drei Mal in der Woche seine anderthalb Stunden Training absolviert. Aber hier kommt ja noch die Strömung dazu, die einen fast doppelt so schnell ans Ziel kommen lässt wie in stehenden Gewässern. Also alles nicht so wild, oder? Nun ja, ganz so einfach ist es ja dann doch nicht. Und das fängt schon bei der Vorgeschichte an: neun Tage vor dem Rennen vermeldet die Türkei einen militärischen Putschversuch. Weiterschwimmen, äh, -lesen …

Bosporus-Schwimmen - Lektionen in Demut?

Foto von Tim Marshall_OpenWaterunderwater_freicc0
Jetzt kann es ja raus: am Sonntag schwimme ich, wenn alles gut geht, von Asien nach Europa. Eingeweihte (und das Olympische Komitee der Türkei) nennen es "Bosphorus Cross-Continental Swimming Race", wir reden also von Istanbul. Ich lasse das jetzt einfach mal komplett raus, was dort gerade für eine Aufregung herrscht, das weiß ja jeder, der minimalen Kontakt zur Außenwelt hat. Ich will mir lieber Gedanken über Istanbul (schöne, große, aufregende Stadt) und das Rennen (6,5 km & bis zu 2000 Schwimmer) machen. So, habe ich gemacht.

Ach ja, es gibt gar nicht so viele Erlebnisberichte von bisherigen Schwimmern, aber die und die und die, die ich gelesen habe, sagen Folgendes (glaube ich jedenfalls, dass sie das sagen): das Schwimmen ist wegen der Strömung leichter als man denkt, aber nicht so leicht, wie man jetzt denkt. Auch wenn so ein Schwimmen natürlich mit dem nötigen Ernst angegangen werden sollte, dürfte man enttäuscht sein, wenn man nur ans Schwimmen und an sein Ergebnis denkt. John von Düffel empfiehlt ja grundsätzlich, das Schwimmen an sich zu genießen, weil man da ganz bei sich selbst ist. Und das gilt auch oder gerade für den Bosporus, weil man da die einmalige Gelegenheit erhält, eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten entlang zu schwimmen - für zwei Stunden nämlich ist die Strecke wegen des Rennens für die riesigen Schiffe, die dort sonst so lang fahren, gesperrt. Ach ja, schön soll es auch noch sein - Delphine, Quallen und halbwegs sauberes Wasser. Wir werden sehen.

Drinnen oder draußen?

Olympi_by_MB
Kennt man, oder? Viel vorgenommen, aber dann von den nicht perfekten Bedingungen abgelenkt: die Oma vor einem, die den Fluss unterbricht. Das losgelöste Pflaster am Boden, das einen daran erinnert, was alles an Dreck im Wasser herum schwimmt. Die falsche Brille eingepackt, den Ärger von der Arbeit mit ins Becken genommen. Die einzige Lösung: ignorieren und losschwimmen. Geht übrigens im Verein besser als einfach so im öffentlichen Bad. Und, letzter Tipp, im Olympiastadion mit den Schwimm-Buddies am besten.

Quallen am Bosporus

Flower
Ist ja schön und gut, drei Mal die Woche zum Training in die Schwimmhalle zu tigern, aber am aufregendsten ist das Schwimmen im dunklen See oder im großen Meer. Demnächst (also praktisch gleich) geht es in die Meerenge von Istanbul, zum "Bosphorus Cross-Continental Swimming Race". Menschen, die da schon geschwommen sind, erzählen immer wieder von Quallen, die man dort zu Hauf findet. Sie sollen harmlos sein, hoffentlich keine Pelagia Noctiluca, sonst brennt es!