Schwimmen, schwimmen, schwimmen.

100x100 in Braunschweig

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ch bin mir nicht ganz sicher, wie groß der Trainingseffekt einer "100 x 100"-Einheit ist, aber bilde mir ein, dass das als Vorbereitung für Langstreckenwettkämpfe nicht schaden kann. Warum? Man schwimmt ja eher im langsamen Ausdauerbereich, ziemlich nah an seinem CSS-Tempo, das kann nicht schlecht sein. Aber das ist ja nur die körperliche Seite, die geistige ist ja bei der langen Strecke auch wichtig. Man beschäftigt sich mit dem "warum". Nicht so sehr in der ersten Stunde, aber dann, später. Wenn es anfängt, weh zu tun. Aber der Reihe nach: mein viertes 100x100m-Schwimmen fand in Braunschweig statt. In einem schönen Schwimmbad, mit ein paar Dutzend anderen. Und auch wenn es jedes Mal ein bisschen leichter wird, tut es eben weh. Es war der 9.November, zwei Wochen vor Abreise zum großen Schwimmen in Marokko. Bahn nach Bahn nach Bahn. Und als wäre das nicht genug gewesen, ging es auch noch mit der Bahn von Berlin nach Braunschweig und mit der Bahn von Braunschweig zurück nach Berlin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mir nach dem dreieinhalb Stunden langen Schwimmen auf dem Nachhauseweg in der Bahn etwas eingefangen habe und dann erst einmal zwei Wochen lang krank im Bett lag. Aber gefühlt ist ja gerade jeder zweite krank, vielleicht war das auch schon vorher passiert. Oder etwas später. So oder so: ich weiß jetzt noch ein bisschen besser, dass ich 10 Kilometer ohne große Probleme bewältigen kann. Nur das mit dem Essen muss ich noch ein bisschen besser auf die Reihe bekommen, da unterschätze ich den Kalorierenbedarf. Später mehr dazu!

Und zum dritten Mal: 100x100 in Hamburg

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Das ist ja fast schon eine Tradition! Auch 2019 (nach 2018 und 2017) wieder nach Hamburg gefahren, um die 100x100 zu schwimmen. 100x100, das bedeutet: 100 mal 100 Meter schwimmen, also insgesamt 10 Kilometer. Ich trainiere nach wie vor ganz normal, also höchstens an drei Tagen in der Woche und dann niemals mehr als insgesamt 4000 Meter, man könnte also denken, dass das eine ziemliche Herausforderung ist. Aber je öfter man die 100x100 schwimmt, desto einfacher werden sie, wirklich! Der größte Fehler, den man da machen kann, ist, zu schnell anzugehen. Die ersten Bahnen bin ich wirklich ruhig geschwommen, es gab ja kein Einschwimmen, da musste ich erst einmal warm werden. Und dann ganz gleichmäßig, ohne große Zwischenspurts oder Hektik die drei oder dreieinhalb Stunden durchziehen.

Aber vielleicht fange ich noch mal ganz anders an: Mir ist nämlich aufgefallen, dass da eine ganz komische Stimmung herrschte in der Hamburger Alsterschwimmhalle. Beim Warten und dann beim Reingehen in die Halle herrschte eine fast schon bedrückte Atmosphäre. Wir Schwimmer (ich will mich da gar nicht ausnehmen) benehmen uns so, als würden die Endwettkämpfe der Schwimm-WM bevorstehen. Oder die Olympischen Spiele. Jeder ist irgendwie für sich oder mit seiner Schwimmgruppe, wer sich nicht kennt, spricht kaum mit den anderen, jeder kämpft für sich allein. Schade eigentlich. Aber vielleicht ist der Schwimmsport ja wirklich etwas für Menschen, die etwas Autistisches haben, das Schwimmen an sich ist ja eine ziemlich einsame Sache bzw. erfordert nicht zwangsläufig, dass man miteinander redet.

Die Veranstalter haben sich dann natürlich bemüht, so etwas wie Stimmung zu schaffen. Musik hilft ja da immer ein bisschen. Und wenn das Schwimmen erst einmal losgeht, ist ja auch wieder alles gut: Man schwimmt und schaut auf die Uhr, man trinkt und isst, wartet auf eine der beiden 5-Minuten-Pausen, in denen man dann vielleicht auch noch mal schnell auf die Toilette kann. Und dann, nach drei, dreieinhalb Stunden, ist auch schon wieder alles vorbei. Brötchen, alkoholfreies Bier, Medaille, Zack, sind auch diese 100x100 wieder Geschichte.

Und zum zweiten Mal: 100x100 in Hamburg

Ich weiß nicht: "Are you tough enough?" überzeugt mich immer noch nicht so richtig, aber unter diesem Motto steht es nun mal, das 100x100-Event, das am 3. März erneut in Hamburg über die Bühne ging. 100x100, so hatte ich es schon nach dem letzten Mal geschrieben, sind 10 Kilometer. Dementsprechend kaputt ist man dann auch nach knapp vier Stunden. Immer noch schön organisiert, dieses Schwimmen in der Alsterschwimmhalle: zehn Bahnen mit jeweils zehn SchwimmerInnen, die dann 100 mal die 100 Meter schwimmen. Letztes Jahr hatte ich noch die längere Pause gewählt, also die Abgangszeit von 2:15 Minuten. Dieses Mal dann alle zwei Minuten Abgang. Geht nicht nur, macht auch Spaß! Schön locker die jeweiligen 100 Meter schwimmen, am Anfang noch so etwa in 1:30 (und dementsprechend dann mit einer halben Minute Pause), später eher 1:40 (und nur noch zwanzig Sekunden Pause). Und ebenfalls anders als im letzten Jahr: Ich schwamm nicht ganz vorne, sondern hinten in meiner Gruppe. Das ist sehr entspannt, man kennt es ja aus dem Training, da macht einem niemand Druck.

Zehn Kilometer sind natürlich trotzdem nicht sooo wenig, vor allem, wenn man im Training eher drei bis vier Kilometer schwimmt. Aber es war nicht so sehr der Körper, der mich gebremst hat, sondern der Geist. Denn es stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage, warum man das eigentlich macht. Ich habe es gemacht, weil ich wirklich nach wie vor sehr gerne schwimme und immer wieder Events oder Rennen heraussuche, bei denen ich mich beweisen kann bzw. wo ich für mich selbst feststelle, ob ich fit bin oder nicht. Mit dem Training ist das nämlich so eine Sache: man kann da regelmäßig hingehen und trotzdem nicht so richtig konzentriert schwimmen, man mogelt sich also ein bisschen durch. Wenn aber solche Ereignisse wie 100x100 anstehen, dann ist das zumindest bei mir so, dass ich besser trainiere. Ich will schließlich nicht versagen.

Interessiert an den 100x100? Kommen bestimmt wieder, es gibt sie ja nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen Hallen Deutschlands. Vielleicht sogar noch ein bisschen öfter als sonst, denn das Interesse am Schwimmen, so habe ich das Gefühl, nimmt nach wie vor zu. Meine Empfehlung: so früh wie möglich anmelden, die Plätze sind schnell weg. Und dann ordentlich trainieren. Nicht speziell 100er, sondern einfach nur konzentriert. Und die Pausen nicht so lang werden lassen.

Zwei Dinge noch: Wir hatten einen jungen, durchtrainierten Schwimmer auf der Bahn, der am Anfang sehr schnell vorne mitgewschwommen ist. Zu schnell offenbar, denn er wurde dann ab Kilometer 6 immer langsamer und langsamer, so dass er die Pausen durchschwimmen musste und es nur mit viel Mühe (und ein bisschen goodwill der Veranstalter) schaffte, die zehn Kilometer vollzumachen. Und die zweite Sache: Ursprünglich hatte ich mich ja mal für 100x100 angemeldet, weil ich so eine kleine Trophäe haben wollte. Auch dieses Jahr wurden die nicht vergeben (das war wohl eine einmalige Sache 2016). Was macht man da? Na ja, man lässt sich selber so eine Trophäe herstellen (siehe Foto).

100x100 sind 10 Kilometer

100mal100
Es ist jetzt schon ein paar Tage her, aber ich bin die 100x100m in Hamburg mitgeschwommen. 100x100m, das sind insgesamt 10 Kilometer. Also grob gesagt das dreifache eines für mich normalen Trainingsabends.

Warum schwimmt man 10 Kilometer? So richtig hatte ich mir darüber keine Gedanken gemacht, bis mich eine Freundin genau das fragte: Warum? Die einfachste Antwort ist, natürlich, zuerst einmal: Weil ich kann. Und ich konnte ja wirklich (auch wenn es anstrengender war, als ich gedacht hatte, aber dazu später mehr). Es hat wohl etwas mit "Grenzen austesten" zu tun, aber auch mit "ungewöhnliche Dinge tun, die mit dem Schwimmen zu tun haben". Kleine und später vielleicht auch einmal größere Herausforderungen.

Letztlich ist es die Fortsetzung meiner Schwimmerkarriere: als Jugendlicher bin ich ein paar Jahre regelmäßig im Verein geschwommen, dann habe ich kurz Wasserball gespielt, dann hörte ich mehr oder weniger auf (was ich heute ein bisschen bedauere), ab und zu ging ich mal wieder für ein paar Wochen oder Monate zum Training. Und dann, vor anderthalb Jahren, die Erkenntnis: ich will nicht ins Fitnessstudio, ich will nicht mehr zum Boxtraining, ich will kein Crossfit oder ähnliches machen, womit ich mir in der Zwischenzeit die Fitness pflegte - ich will wieder schwimmen. Weiterschwimmen, äh, -lesen …